Wegners Blackout –
Haben Sie Kinder? Dann kennen Sie das sicher auch: wenn ihr Kind bei direkten Fragen verunsichert ausweicht, wissen Sie, dass es was verheimlichen möchte.
„Wo waren Sie, als der große Stromausfall war?“, wollte die versammelte Presse vom negierenden, sorry, regierenden Bürgermeister Berlins wissen. „Ich war im Home-Office!“, lautete dessen originelle, aber ausweichend wirkende Antwort. Er habe nicht die Füße hochgelegt! Bei solchen Statements meldet sich stets mein innerer Loriot zu Wort: „Ach was“, oder „Aaah ja“! Loriot kennen Sie noch, oder? Den mit den entlarvenden Satire-Comics über Politiker.
Vicco von Bülows „Ach was“ vernahm mein inneres Ohr wieder, als ich Kai Wegners Interview im TV verfolgte: von seinem persönlichen Lagezentrum aus habe er die Krise gemanagt – Ach was! Sozusagen zwischen Wohnzimmer und Gäste-Klo: Kai allein zu Hause! War der Akku vom E-Dienstwagen leer, fragte ich mich noch? Nee, irgendwann ist er mit dem ja zum Tennisspielen. Um den Kopf frei zu kriegen, nach vier Stunden Krisenmanagement. Aaah ja! Na immerhin, halte ich zugute, bei VW gingen Manager zum Ausspannen schon mal in den Puff. Auf Spesen! Insofern sind die Berliner noch mal preiswert davongekommen.
Glaubt Kai Wegner von der CDU (kein Scherz, die Merz-Partei hat auch den am Hals) tatsächlich allen Ernstes, er kommt mit dieser Kapitulationserklärung vor einer echten Aufgabe auch dieses Mal ungeschoren davon? Getreu dem Motto: In der Etappe gewinnt man keine Kriege, aber man überlebt sie! Wenn er sich da mal nicht täuscht, der „Unregierende“ von Berlin. Krisen brauchen Männer, keine Memmen. Im Bedarfsfall auch starke Frauen. Aber selbst, wenn Wegner noch schnell und selbstbestimmt sein Geschlecht wechseln würde, man nähme ihm weder das eine noch das andere ab.
Dabei hätte er es so leicht gehabt. Krisen waren stets die Chance für Politiker, sich zu profilieren: beispielhaft ist und bleibt Helmut Schmidt während der Hamburger Sturmflut 1962. Der hatte nicht lang nach Zuständigkeiten gefragt, sondern eigenmächtig die Bundeswehr aktiviert. Schmidt hatte sich einen feuchten Schmutz darum geschert, ob er dazu berechtigt war! Schmidt war ein Macher und konnte Krise!
Gerhard Schröder und selbst Angela Merkel haben derlei Gelegenheiten genutzt. Der mehrfach Gescheiterte aus Berlin hingegen ging Tennisspielen. Zum Kopf-frei-kriegen! In der größten Berliner Krise seit der Blockade oder dem Mauerbau! Was für ein Signal an die notleidende Bevölkerung Berlins! Mich erinnert eine solche Haltung an den mitleidlosen Spruch, den man fälschlich Marie Antoinette unterstellt: „Wenn das Volk kein Brot hat, soll es doch Kuchen essen!“
Die französische Königin verlor später übrigens ihren Kopf. Unter der Guillotine. Was uns zurückbringt zum Bürgermeister von Berlin – Herr Wegner, Sie wurden gewogen und für zu leicht befunden (Daniel 5,27). Oder wie Giovanni Trapattoni sagen würde: Sie haben fertig! Nehmen Sie Ihren Hut und treten Sie ab. Wenn’s geht, bitte leise und durch den Hintereingang. Danke.
P.S. Wo waren eigentlich der Kanzler und FWS?