Logik und Eloquenz – schwindende Minderheiten

Die deutsche Sprache befindet sich im Niedergang – zumindest lässt der kulturelle Sprachverfall vielerorts (Ey Alda!) diesen Schluss zu. Ähnlich verhält es sich mit der Logik, siehe Corona-Politik. Oder mit der Toleranz – hier wird inzwischen so manches überdehnt. Der Schwanz wedelt inzwischen mit der Hündin. 5 plus 1 ist nicht mehr 6, sonst ist man (und frau) intolerant – alle Ergebnisse sind möglich! Höflichkeit? Nein, danke. Damen die Türe aufzuhalten ist nämlich eigentlich Ausdruck von männlichem Chauvinismus, traut man doch anscheinend einer Frau nicht mal zu, eine Türe zu öffnen! Wohltuend darum der nachfolgende Leserbrief. Manche Dinge kann man selbst nicht trefflicher formulieren. Ich mache erst gar nicht den Versuch, sondern überlasse das Wort Frau Prof. Monika Barz:

»Können weder Alter noch Geschlecht bestimmen«

Zum Artikel »Hochschule wird zur Kampfzone« und dem Kommentar »Es fehlt die Toleranz« vom 5. Juli

Ich freue mich, dass unsere Lokalzeitung, fundierter und aufklärender informiert, als viele der überregionalen großen Blätter. Frau Sokolow, Herr Cvrlje, ein herzlicher Dank an Sie für ihre klaren Analysen und Sachdarstellungen des komplexen Konfliktes an der HU Berlin.

Abnehmende Meinungsfreiheit und fehlende Debattenkultur zur Thematik »Geschlecht« treibt kritische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler seit Längerem um. Unter der Hand hat sich an Hochschulen und Politik ein pseudowissenschaftliches Denken als Mainstream verbreitet, dass es mehr als zwei Geschlechter gäbe und es ein Menschenrecht sei, dass Menschen ihre Geschlechtszugehörigkeit selbst bestimmen. Wir können weder unser Alter noch unser Geschlecht selbst bestimmen. Ebenso wie die Vergänglichkeit allen Lebens, mag dieses naturwissenschaftliche Faktum für uns Menschen kränkend sein. Aber ich kann beruhigen: Was wir in Demokratien als Menschen selbst bestimmen können ist, wie wir beispielsweise unser Alter und Geschlecht gestalten! Wir dürfen individuell eine Altersidentität und Geschlechtsidentität entwickeln, die nicht zu den üblichen Alters- und Geschlechtsstereotypen passen. Das ist gut so. Wir dürfen schrill, schriller, am schrillsten uns kleiden und verhalten, aber wir haben trotzdem ein unabänderliches Geschlecht und Alter. Das ist gut so.

Ich darf mich als 69-Jährige jünger fühlen, ich darf deshalb nicht bei einem Wettbewerb von »Jugend forscht« oder »Jugend musiziert« mitmachen und muss nicht meine monatliche Rentenzahlung zurücküberweisen! Das macht den Unterschied zwischen Fühlen und Fakten aus.

Der Staat tut gut, sich weiterhin an Fakten zu orientieren. Die Pläne der Regierung für eine generelle Selbstbestimmung von Geschlecht ab 14 Jahren soll angeblich transsexuellen Menschen zu einer besseren Lebensqualität verhelfen. Das Gegenteil ist der Fall. Um transsexuellen Menschen zu einer verbesserten Lebensqualität zu verhelfen, bedarf es einer Novellierung des Transsexuellengesetzes und kein neues Gesetz, das biologische Fakten gegen Gefühle tauscht. Das alles ist leider komplex und bedarf öffentlicher Aufklärung und Debatten. Ich hoffe, dass diese an der HU Berlin zukünftig wieder zugelassen werden und der GEA uns weiterhin so fundiert und aufklärend darüber informiert.

Prof. Dr. Monika Barz, Reutlingen
(Reutlinger General-Anzeiger v. 9.7.22)

Anm.: Monika Barz (* 5. April 1953 in Castrop-Rauxel) ist in der Frauen- und Lesbenbewegung aktiv und war von 1993 bis 2016 Professorin für Frauen- und Geschlechterfragen an der Evangelischen Hochschule in Ludwigsburg (Quelle: Wikipedia am 09.07.2022, 18:00 Uhr MESZ))

 

Eloquenz ist treffender als Frequenz