Pfullingens Kulturszene

Kultur – darunter versteht wohl jeder etwas anderes. Für die einen ist ein Streichquartett der Inbegriff des intellektuellen Entspannens, für andere ist ein Rockkonzert das Höchste der Gefühle. Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Vermutlich ist der Interessentenkreis für ein Rock-Event aber größer. 

Brauchen könnte Pfullingen ein anziehendes Event von Rang schon. Natürlich haben wir das Frühlingserwachen, den Kunsthandwerkermarkt, unser geliebtes Weinfest und das Schlösslesparkfest. Für die letztgenannten braucht’s für mich eigentlich keine Besucher von außerhalb, die mir den Sitzplatz auf der Biergarnitur streitig machen – der Platz ist halt nicht groß. Gerade darum: Pfullingen braucht Veranstaltungen, die der Stadt überregional einen angemessenen Bekanntheitsgrad verschafft. Bad Urach hat seinen Schäferlauf, Reutlingen den Schwörtag – aber Pfullingen? Vielleicht braucht die Stadt mal frische Ideen aus der jungen Szene. Was sagte mir kürzlich einer, der Pfullingen gerne aus dem Dornröschenschlaf küssen würde: Rock am Ahlsberg, das wär mal was! Ich darauf: Gute Idee – auf der Wanne, Arbeitstitel „Kuhle (coole) Wanne“.

Früher gab es auf der Wanne mal das „Schwabenbergfest“ – ein Sportfest, das überregional so bekannt und erfolgreich gewesen sein muss, dass sich sogar der baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth, das legendäre „Käpsele“, sich dazu eigens per Helikopter einfliegen ließ. Aus verschiedenen Gründen findet es seit vielen Jahren nicht mehr statt.

Gerne würde ich auch eine Kleinkunstszene sehen, mit Darbietenden aus der Region und aus ganz Deutschland. Diesbezüglich erhielt ich kürzlich die E-Mail eines Darbietenden aus der Region, aus der ich zitieren möchte:

„Der Frust in der Kulturszene, soviel ist klar, sitzt tief und hat sich schon bei Bürgermeister Hess verschärft, der nicht in der Lage war, die Angebote zu erkennen und anzunehmen. Auch ihm, wie vielen Mitgliedern des Gemeinderates war nicht beizubringen, dass Kultur ein Wirtschafts- und Standortfaktor ist.“

Zu den vortragenen Vorwürfen vermag ich nichts zu sagen. Ob und inwieweit diese intellektuelle Brache (und die Branche) mithilfe der Kommunalpolitik (wieder-) belebt werden kann, würde ich allerdings gerne ergründen. Hoffentlich ist es nicht so, wie ich in meiner Antwort-Mail befürchtete:

„Eine nennenswerte Kulturszene konnte ich in diesem Bereich [Anm.: Kleinkunst] bislang nicht erkennen. Das hat wohl Gründe in der unterbesetzten Klientel: das Pfullinger Publikum ist (bislang) für sowas nicht zu begeistern. Einige Veranstalter sind selbst mit zugkräftigen Namen baden gegangen. Darum müssen interessierte Menschen aus dem Umland angelockt werden. Ich vermute, Pfullinger werden erst dann aktiv, wenn andere (von außerhalb) ihnen die Billets streitig machen.“