Fußball-Deutschland liegt am Boden. Als würde das nicht reichen, treten alle aufeinander ein. Offenbar gibt es in der deutschen Seele einen tief verwurzelten Hang zur Selbstkasteiung, eine masochistische Neigung zur Erniedrigung.
Im Sieg regiert das wir – wir sind Papst, wir sind Weltmeister. In der Niederlage wird daraus umgehend ein „ihr“. Merke: der Erfolg hat viele Väter, der Misserfolg nur einen. Der Personenkreis potenzieller Prügelknaben ist gottseidank klein. Aber halt – bei aller berechtigten Kritik sollten alle Seiten einige Grundsätze nicht vergessen.
Erstens: man tritt keinen, der am Boden liegt. DAS MACHT MAN NICHT – erst recht nicht im Sport! Mannschaft und Trainer sind mit Sicherheit niedergeschlagener als wir. Es hat keinen Sinn, jetzt alles besser gewusst zu haben – im Nachhinein ist jeder klüger.
Zweitens: Erkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung. Wer die Spiele der deutschen Mannschaft verfolgt hat (so wie ich), konnte wesentliche Defizite schon früh erkennen: talentierte Einzelspieler, keine homogene Mannschaft und letztlich kein Selbstbewusstsein.
Drittens: nur wer bereit ist, lebenslang zu lernen, ist bereit für den Erfolg! Man muss sich nicht von jedem reinreden lassen, aber man kann an den erfolgreichen Beispielen sogenannter fußballerischer Entwicklungsländer lernen.
Zum Lernen gehört letztlich auch das Scheitern!
Viertens: hüte dich stets vor Applaus von der falschen Seite! Wenn ein Friedrich Merz mich lobt, frage ich mich als erstes, was ich falsch gemacht habe.
Fazit: Nagelsmann und seine Truppe haben ihre Chance gehabt. Die haben sie vertan. Der Trainer hat nicht die richtigen Maßnahmen ergriffen, die Spieler haben das Prinzip von Leistung und Erfolg nicht erkannt. Ihr wurdet gewogen und für zu leicht befunden.
Geht in euch, erkennt euer Versagen – und dann steht wieder auf! Meine Meinung.
P.S. „Lebbe geht weiter!“, sagte einst der Eintracht-Trainer Dragoslav „Stepi“ Stepanović.