E-Scooter in Pfullingen

Ein Königreich für ein Pferd!

(W. Shakespeare, „Richard III.“)

Wer von A nach B muss, will das so schnell wie möglich schaffen. Oft jedoch werden ihm/ihr Hindernisse in den Weg gelegt –

Pfullingen: Baustellen über Baustellen und jetzt auch noch 100 E-Scooter. Die neue Mobilität ist endlich auch bei uns angekommen. Die Roller sind noch gar nicht richtig in Betrieb, da regt sich bereits Widerstand. Nicht völlig grundlos, wie wir am Beispiel anderer Städte lernen konnten. Oftmals werden die Dinger so behindernd abgestellt, dass andere Verkehrsteilnehmer Zickzack-Kurse hinlegen müssen. Aber mal ehrlich – wenn jemand benutzte Gegenstände nicht wieder aufräumt, dann spiegelt sich darin eigentlich nur eine unzureichende Erziehung wider. In manchen Wohnungen war anscheinend einfach kein Platz mehr für eine »gute Kinderstube«.

Insofern sagt es mehr über den Menschen aus, der einen Scooter dämlich abstellt, gar zerstört oder Slalom zwischen Fußgängern fährt, als über das Verkehrsmittel. Da haben ganz andere versagt als die Ingenieure. Wir verbieten ja auch keine Autos, bloß weil manche auf Geh- und Radwegen parken. München verteilt inzwischen fleißig Knöllchen, andere werden folgen. Letztlich werden »Scooternde« über den Geldbeutel lernen, dass es Regeln gibt. So wie manch Zecher (und Kiffer) inzwischen leidvoll erfahren musste, dass es kein guter Einfall war, angetörnt statt eines Taxis einen E-Roller zu chartern.

Wir müssen wieder lernen, Neuerungen unvoreingenommen eine Chance zu geben, nicht nur die Nachteile zu sehen und uns gegenseitig zu respektieren. Wie ist es derzeit? Fußgänger schimpfen über Auto- und Radfahrer; Radfahrer über Fußgänger und Autofahrer und Autofahrer über Radfahrer, Fußgänger und … hört, hört … andere Autofahrer – und jetzt kommen auch noch die Roller hinzu. Ein Grund mehr für einen Heli in Wannweil! Obwohl, hey, warten wir noch ein paar Jahre, dann können wir dessen Stützpunkt ins neue Klinikum integrieren – wäre auch nicht das Schlechteste.

Genauso wie Helikopter zur besseren notärztlichen Versorgung beitragen – in Pfullingen haben wir das erst vor wenigen Tagen miterlebt – werden E-Roller den Jüngeren vielleicht zu deren größeren Mobilität verhelfen. Wir hatten ja nur Autoscooter und mit denen kam man nicht weit – außer bei den Teenies. Möglicherweise ersparen wir Eltern uns so den lästigen Fahrdienst für den Nachwuchs! Einen anderen Nutzen für meine Generation sehe ich eher nicht, uns ist da wohl (lei)der E-Sportrollator näher.

Lasst uns in den folgenden Diskussionen über das Pro und Contra ein bisschen Gas rausnehmen, das ist eh gerade zu teuer! Wie sagt man bei den Indianern (ja ja, weiß schon, First Nation): »Urteile nicht eher über einen Menschen, bevor du nicht 1000 Schritte in seinen Schuhen gegangen bist.« Hm … 1000 Schritte? Da nehme ich vielleicht dann doch den Scooter!

GEA v. 27.8.2022