Pfullingen und das Wasser

Bei der Trinkwasserversorgung gibt es in Pfullingen Privilegierte – ich gehöre zu ihnen. Die Seitenhalde wird mit Bodenseewasser versorgt. Wie angenehm das ist, erfuhren wir, nachdem wir Firmensitze in die Stadt verlegt hatten. Bodenseewasser ist relativ weich, in anderen Teilen der Stadt gibt’s Echazwasser – und das kann man im Leitungsrohr klingeln hören: Kalk! Bei uns sind nur Kaffeeautomaten und Kocher betroffen, die häufiger entkalkt werden müssen als zuhause, bei den anderen Pfullingern geht es um deutlich mehr: Rohre, die verkalken; Waschmaschinen und Trockner, deren Leitungen und Heizstäbe vom ausfallenden Kalk beschädigt werden – vom dadurch bedingten Verschleiß und erhöhten Strombedarf ganz zu schweigen.

Die Frage ist: Gibt es dagegen Abhilfe? Die Antwort lautet: ja. Ein technisches Verfahren sind  sogenannte „Reaktoren zur Schnellentcarbonisierung mit Kalkwasser“, in den Wasserwerken Langenau und Dischingen seit 1989 zunächst in der Erprobung, dann im Regelbetrieb. Die Technik dürfte ausgereift sein. Natürlich hat die ihren Preis. Der ist nicht einmal das Problem, zieht man die Vorteile für jeden einzelnen in Betracht:

  • Für die Stadt, bzw. die Betreiber der Wassernetze, weniger Ablagerungen in den Rohren, dadurch ein höherer Investitions- und Bestandsschutz sowie geringere Wartungskosten.
  • Für Hausbesitzer gelten dieselben Argumente.
  • Für die Bewohner auf Dauer geringere finanzielle Belastungen durch wegfallende Entkalkungen, bzw. den deutlich geringeren Verschleiß der Haushaltsgeräte.

Ein Problem gibt es allerdings: die Kosten müssen derzeit direkt, das heißt auf einen Schlag auf die Verbraucher umgelegt werden. Da kommen unversehens hohe Beträge auf Haushalte und Unternehmen zu. Man darf in Deutschland nicht für, sagen wir mal, 10 Jahre die Gebühren moderat erhöhen, um sich was auf die „Hohe Kante“ zu schaffen. Für technische Investitionen in die Zukunft wie für die oben genannte, dürfen nämlich keine Rücklagen gebildet werden – nur für Betrieb und Instandhaltung. Begründet wird dies damit, dass nur tatsächliche Kosten umgelegt werden dürfen. Sonst müsse man Menschen, die jahrelang angespart haben, die Einlagen bei Wegzug rückerstatten. Klingt logisch, aber der Laie fragt sich: was ist dann den GEZ-Gebühren, die man doch auch dann pro Haushalt zahlen muss, wenn man keine internetfähigen Geräte, Radio und Fernseher hat? Egal, andere Baustelle –

Schwaben, aber auch viele Nicht-Schwaben, denken da anders: wenn man sich früher, also zu Großelterns Zeiten, etwas leisten wollte, dann hat man dafür gespart! Ich habe für meinen ersten Käfer auch erst einmal „schaffe gehe und spare“ müssen – warum nicht auch hier? Antwort: die Rechtslage ist derzeit halt so und weil sie so ist, ist vorhersehbar, dass sich irgendwann einmal hohe Investitionen vielleicht nur noch große Konzerne leisten können – und die werden dann Kasse machen! Irgendeine Polit-Barbie wird sich schon als Neschtle-Lobbyistin finden lassen. Dagegen gilt es vorzusorgen und bei Bedarf aufzustehen! Wasser ist ein Grundrecht, ebenso Schulen und ein funktionierendes Krankenhauswesen. Damit muss keiner, auch nicht der Staat, Geld verdienen. Eine schwarze Null reicht dem Gemeinwesen völlig. Dazu braucht’s kein profitorientiertes Management – cleveres Haushalten schon!

Zurück zum Wasser: Derartige Maßnahmen und deren Finanzierung müssen über Jahre hinweg vorausschauend geplant werden, damit an einem zu definierenden Termin die Gelder zur Verfügung stehen – inklusive eines realistischen Teuerungszuschlags. Wenn deutsche Gesetze ein Ansparen derzeit nicht zulassen, muss man auch mal umdenken – die Schweizer handhaben das anders, die haben die Erfahrung im Umgang mit Geld. Vielleicht müssen die Kommunen in Berlin deutlich machen, dass sie zahlenmäßig „mehr Volk“ sind als profitorientierte Lobbyisten!

Manche hoffen bei der Lösung des Wasserproblems auf Abhilfe über einen Umweg, der da lautet: Albaufstieg. Die Baumaßnahmen könnten die Quellen verunreinigen, die zur Wasserversorgung herangezogen werden. Um dieser Gefahr zu begegnen, sollen Abzweiger von der Bodenseewasserversorgung gelegt werden – keine bloßen Provisorien, sondern reguläre Leitungen, die nach den Baumaßnahmen nicht demontiert würden. Letztlich bedeutete dies: Bodenseewasser für ganz Pfullingen – und das Ganze zum Nulltarif! Allerdings gibt es schon starke Stimmen gegen die geplante Trassenführung. Wenn deren Befürworter sich durchsetzen, ist die Idee hinsichtlich des Bodenseewassers passé – aber das ist ein anderes Thema.

Beim Thema Bodenseewasser ist auch darauf hinzuweisen, dass man die Bezugsmengen nicht beliebig steigern kann. Schon jetzt gibt es okölogisch begründeten Widerstand, auch von den Anrainerstaaten. Das Schwäbische Meer ist eben kein Ozean, den man beliebig „anzapfen“ kann. Auch ist die Erhöhung des Kontingents mit erheblichen Kosten verbunden. Vor wenigen Jahren, als der Klimawandel bereits Thema war und es sich abzeichnete, dass die Sommer eher wasserärmer werden, hat die Stadt ihr Kontingent verringert und Quoten zurückgegeben – für 100 TSD Euro, also eher ein Taschengeld. Jetzt muss die Stadt die Menge für ein Vielfaches des damaligen Erlöses zurückkaufen. Denn auch die Alb-Quellen liefern nicht mehr soviel wie zu früheren Zeiten. In den letzten heißen Sommern stand die Stadt kurz vor der Anordnung von Trinkwasser-Einschränkungen. Verhindert haben dies damals nur randvolle Speicher – ein Fingerzeig auf eine zu erwartende Zukunft. Und das bei einer wachsenden Stadt, die immer mehr Durst haben wird …